1. Tag: Flug nach Hurghada
Bereits frühmorgens geht es mit dem Flugzeug der OnurAir von Stuttgart nach Hurghada. Bei uns ist es Januar und bitterkalt. Nach der Ankunft um 12.30 Uhr gibt es das obligatorische Visum für Ägypten und – das ist ganz neu – eine SIM-Karte fürs Mobiltelefon, damit man auch in Ägypten erreichbar ist. Ich bin skeptisch, ob das Datenvolumen darauf auch genügt. Na, mal sehen. Paßkontrolle und Gepäckausgabe sind in etwa einer Stunde erledigt und den Pullover kann man gestrost weglegen. Es sind über 20°C, die Sonne lacht und ein ägyptischer Reisebegleiter bringt uns zum Transferbus. Ich erinnere mich noch an den Transfer durch die Wüste aus vorangegangenen Reisen – es liegen etwa 4 Stunden Fahrt vor uns. Der Bus ist außergewöhnlich komfortabel und der ägyptische Fahrer bringt uns, nach einem Zwischenstop für Tee und Kaffee, sicher nach Luxor zum Schiff. Es ist schon dunkel, als wir um 19 Uhr auf dem Schiff ankommen. Dort empfängt uns Reiseleiter Abdallah. Er erklärt das weitere Prozedere und dann gibt es Abendessen.#

Kabine


Das Abendessen besteht aus Buffet – so gibt es für jeden Geschmack etwas. Ich esse stets viel Gemüse und natürlich die herrlichen orientalischen Salate. Es gibt ja immer Horrorgeschichten, von Durchfallerkrankungen und Unverträglichkeiten. Soviel vorweg: die gesamte Zeit hindurch haben wir keine Probleme – außer an einem Tag. Aber dazu später. Und am Essen kann es nicht gelegen haben.

MS Kahila

2. Tag: Ins Tal der Könige
Bereits um 7.00 Uhr fahren wir los. Ja, wir sitzen um 7.00 Uhr im Bus – d.h. Aufstehen um 5 Uhr, Frühstück und dann geht’s los. Frühmorgens ist es, bedingt durch das Wüstenklima, sehr kalt. Mittags werden es um die 25°C – also muß man sich gut einkleiden. Wie auch immer: das Tal der Könige ist gut besucht – ich erinnere mich noch an 2015 oder sogar an 2012. Da war ich mit meiner Familie, aufgrund der sogenannten „arabellion“ der einzige Besucher! Heute sind es zumindest einige wenige Touristen. Aber voll ist ganz anders. Die Königsgräber sind eine einzigartige Sehenswürdigkeit und ich kann jedem empfehlen, diese zu besuchen. Unser Reiseleiter erklärt so gut und ausführlich, dass es Freude macht, die Bilder und Hieroglyphen zu entziffern. Man entdeckt am Eingang den König, Isis, den Gesang des Ra, die Barken, die den Toten ins Totenreich bringen und so viel mehr.

Die Memnon Kolosse


Nachmittags sind wir wieder an Bord. Mittagessen und dann legen wir ab zur beschaulichen Fahrt auf dem Nil nach Edfu. Über Nacht liegen wir in Edfu.

Hatschepsut Tempel im Tal der Könige

3. Tag: Nilkreuzfahrt bis Kom Ombo
Bereits um 8.00 Uhr legen wir ab nach Kom Ombo. Es ist ein schöner und gemütlicher Tag an Bord. Es ist sonnig und warm.


Um 14.30 Uhr sind wir bereits im Kom Ombo und besuchen für zwei Stunden den Tempel und das Krokodil-Museum. Besonders beeindruckend sind die altägyptischen Werkzeuge, die die Ärzte damals schon benutzten. Im Prinzip hat sich wenig verändert…

Wir haben noch etwas Freizeit um individuell durch die Tempelanlage zu spazieren und um 16.30 Uhr legen wir ab nach Assuan.

4. Tag: Assuan
Bereits um 6.30 Uhr sind wir wieder startklar für die Besichtigung von Assuan. Wir fahren extra so früh, damit wir vor den anderen Schiffen vor Ort sind. Während in der Regel die Ausflüge um 8.00 Uhr beginnen, sind wir einfach 1 1/2 Stunden früher dran – und haben so die Tempelanlagen quasi für uns. Zudem vermeiden wir die große Mittagshitze! Unser erster Stop an diesem Tag ist der Philae-Tempel auf einer Insel im Nasser See gelegen. Eine kleine Bootsfahrt und unser Reiseleiter Abdalla erklärt wieder ganz ausführlich und verständlich. Das Besondere ist natürlich, dass wir ZWEI Reiseleiter nur für unsere Gruppe haben, die uns die gesamte Zeit begleiten. Das macht alles sehr entspannt und gibt eine ganz familiäre Atmosphäre.

Feluken in Assuan


Mit dem Segelboot geht es dann zurück zum Schiff und mit meinen wenigen Brocken Arabisch ist der Käpt’n ganz angetan. Den Nachmittag verbringen wir in Assuan. Ich gehe zu Fuß etwa einen Kilometer vom Anleger in die Innenstadt. Assuan ist im Prinzip ein einziger großer Markt, mit allem, was das Herz begehrt. Ich folge heute einer meiner Traditionen: Im Urlaub in fremden Ländern zum Frisör zu gehen. In einer Seitenstraße vom Markt entdecke ich einen kleinen „Salon“. Ich konnte nicht zu lange zögern – so bin ich direkt rein. Als ich saß, mußte ich kurz überlegen, ob es denn wirklich eine gute Idee war, gerade hier hinein zu gehen. Wie auch immer – der Friseur bietet mir als erstes eine Zigarette an. Dass ich Nichtraucher bin, kann er nicht ganz nachvollziehen – aber er gibt nicht locker. Sofort schickt er seinen Boy hinaus um mir Tee und Wasser zu holen. Nach wenigen Minuten ist beides da und nun kommen die Gedanken von Magen-Darm-Erkrankungen sofort hoch. Gefühlte zwei Millionen Menschen haben schon aus dem Wasserglas getrunken und das Teeglas hat in seinem langen Leben auch noch keine Seife gesehen. Tee und Wasser abzulehen hätte einer sofortigen Kündigung der Völkerfreundschaft zwischen Ägypten und Deutschland gleich gegolten – und so trank ich genüßlich gesüßten Schwarztee und Wasser. Dass ich den weiteren Verlauf der Reise auf meiner Kabine verbringen würde, war mir in dem Moment glasklar. Aber, es mußte sein. Das Arabisch des Frisörs ist hervorragend – meines jedoch nur sehr schlecht – doch wir verstehen uns prächtig. Zum Schluß der guten halben Stunde der Frisörhandwerkskunst holt er noch das Skalpell um die Seiten noch abzurasieren. Das Ganze dauert eine gute Stunde und wir erleben viele Besucher, die es nicht fassen können, dass ein Europäer sich auf den Stuhl des Barbiers verirrt hat.
Nachdem sein Kunstwerk an mir vorbei ist, bedankt ER sich bei mir und wünscht noch eine schöne Reise. Ich frage, was ich schuldig bin und er verneint und meint, es wäre ihm eine Ehre gewesen. Das will ich so natürlich nicht stehen lassen und wir gehen gemeinsam auf die Straße und diskutieren mit anderen Händlern, was er mir berechnen soll. Wir einigen uns auf 20 Ägytische Pfund, was umgerechent etwa 1,20 Euro sind und ich gehe hochzufrieden nach diesem eindruckvollen Erlebnis zurück zum Schiff.

5. Tag: Abu Simbel
Mit meiner neuen Frisur starten wir um 7.30 Uhr zur Fahrt nach Abu Simbel. Ich habe Abu Simbel schon einige Male gesehen, aber es ist einer der magischsten Orte auf diesem Planeten. Wir sind um 11 Uhr nach einer Fahrt durch die Wüste dort. Natürlich gibt es auch eine Fata Morgana zu sehen, auf die uns Abdallah gut hinweist. In Abu Simbel haben wir viel Zeit um die

Tempelanlagen gut zu besuchen. Was für ein eindruckvolles Erlebnis! Das Beste war natürlich, dass wir nahezu alleine waren. Nur ein einziger anderer Bus war noch da – so hatte wir Abu Simbel für uns alleine.


Die Felsentempel von Abu Simbel stehen seit 1979 auf der Weltkulturerbeliste der UNESCO. Das Besondere ist: die Tempel befinden sich nicht mehr an ihrem ursprünglichen Standort. Um sie vor dem ansteigenden Wasser des Nassersees, des durch den Assuan-Staudamm aufgestauten Stausees des Nil, zu retten, wurden sie in den Jahren 1963 bis 1968 durch die deutsche Firma Hochtief abgetragen und 64 Meter höher auf der Hochebene von Abu Simbel wieder aufgebaut. Dort erheben sie sich heute auf einer Insel im Nassersee, die an der Nordwestseite durch einen befahrbaren Damm mit dem Ort Abu Simbel verbunden ist. Einzigartig!


6. Tag: Flußtag bis Esna
Nach den vielen Ausflügen genießen wir heute einen entspannten Tag an Bord. Wir sitzen oben an Deck, genießen die Sonne, 25°C und herrlichen Sonnenschein. Nur bedenken viele nicht, das was ich ganz zu Anfang der gesamten Reisegruppe einzutrichtern versuchte: Vorsicht mit Sonnne, Trinken und Alkohol.
Die Sonne ist stärker als man denkt, man trinkt viel zu wenig und oft trinkt man Alkohl tagsüber. Das Ganze endet dann unter Umständen in Kreislaufproblemen, die dann auf das Verdauungssystem durchschlagen. Ich habe das schon so oft erlebt und kann es nur wiederholen: Vorsicht. So sind einige am Abend und am nächsten Morgen kränklich. Ich war selbst auch den gesamten Tag an Deck und habe gespürt, dass die Sonne sehr intensiv ist. Unter dem Sonnensegel las ich mein Buch zu Ende – aber ich fühlte, es war zu viel der Sonne. Und prompt war ich auch etwas angeschlagen. Am nächsten Morgen war jedoch alles wieder o.k.

Abdallah erklärt


Dennoch ein wunderschöner Tag, denn im Tempo des gemütlichen Radfahrers bewegen wir uns auf dem Schiff nilabwärts. Die Sonnenuntergänge sind in grandiosen, violetten Farben. Wir sitzen an Deck in der Sonne – und am Nachmittag ist „tea time“.
Unser Reiseleiter kommt hoch und erklärt und macht die Geschichte lebendig. Jeden Tag erleben wir einen anderen kulturellen Höhepunkt mit den altägyptischen Hochkulturen. Es läßt mich jedes Mal vor Demut erstarren, wenn ich sehen, welche ausgeklügelten Systeme und Gedanken vor 5000 Jahren schon in Ägypten vorhanden waren.
Ab und zu sieht man am Fluß eine Kasbah (eine Stadt) mit beleuchteten Gebäuden. Es ist ein träger und gemächlicher Fluß – die Lebensader Ägyptens!
Kahle Berge erblickt man im Hintergrund, Palmen und Häuser. Ärmliche Landwirtschaft, Bewässerung, Bauern und ihre Wasserbüffel, Klee und Fischer, die auf dem Fluß fischen. Es sind pastorale Szenen und wer Beethovens Pastorale im Gedächtnis hat, der fühlt jetzt mit.
Ab und zu begegnet uns ein Frachter, tuckernd, mit Personen an Bord, die uns freudig zuwinken.
Ein schöner und friedvoller Tag.

7. Tag: Luxor
Heute sind einige etwas kränklich und deshalb holt unser Reiseleiter Abdalla Arznei. Nachmittags besuchen wir eines der Highlights der Reise: den Säulenwald von Karnak.

Karnak Tempel

Für mich neben Abu Simbel und dem Tal der Könige das spektakulärste Ereignis der Reise. Eine gigantisch große Anordnung von Säulen in unvorstellbarer Dimension. Wir haben viel Freizeit um uns individuell durch den „Säulenwald“ zu schlagen. Nach dem Abendessen fahren wir zum Luxor Tempel. Abdallah erklärt und wir genießen ein spektakuläres Ambiente und eine phantastische Beleuchtung der Tempelanlage.

Luxor Tempel bei Nacht


8. Tag: Zurück nach Hurghada
Morgens müssen wir unsere „MS Kahila“ leider verlassen. Eine sehr aufmerksame Crew hat uns eine Woche hervorragend bewirtet. Sobald ich die Bar betrat, wurde das bemerkt und im Hintergrund hörte ich das Wasser kochen, denn man machte für mich einen arabischen Kaffee. Eine absolute Delikatesse mit etwas Zucker, Kardamom und mehrfach aufgekochtem Kaffee. Alle fühlten sich sehr wohl an Bord und wir verließen das Schiff nur ungern.
Der Transfer zurück nach Hurghada dauerte wiederum 4 1/2 Stunden und nach einem Zwischenstop kamen wir gut im Labranda Hotel in Makadi Bay an. Ich war etwas skeptisch ob der Größe des Hotels. Doch ließ ich mich eines Besseren belehren: ein hervorragendes Buffet für Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Sehr guter Service und das einzige, was ich zu bemängeln hatte, war, dass es im Zimmer sehr kühl war. Aber: wann ist man schon im Zimmer! Der Strand ist nur wenige Meter entfernt, ich ging jeden Tag Windsurfen, Joggen und natürlich für meine morgendliche Yoga-Stunde. Eine ganz entspannte Woche. Einige Gäste meiner Gruppe hatten einen Tagesausflug nach Kairo und Gizeh gebucht – mir war das zu viel, vor allem, da ich beides gut kenne und lieber die Zeit im Strandhotel verbrachte.



15. Tag: Rückreise
Zwei Wochen in Ägypten. Im Januar, wenn es bei uns kalt und unwirtlich ist – eine willkommene Reise. Frühlingshafte Temperaturen, eine antike Hochkultur, geschulte Reiseleiter, die die Geschichte lebendig machen und ein angenehmes Schiff. Zum Abschluß noch eine Woche im Strandhotel – jederzeit wieder.

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3 Responses

  1. herrlich! schoene schreibe! der reisebericht macht an. soll er ja auch. danke fuer den entspannenden augenblick.
    nur spontanitaet bei buchungen ist fuer uns jetzt nicht angezeigt, bittere erfahrung aus 2020! buchen ins ungewisse geht nicht. und dank der seit geraumer zeit vorherrschenden politstrategie „rein in die kartoffeln – raus aus den kartoffeln“ ist stillhalten erzwungen.

  2. Genauso unbeschreiblich schön und wohltuend, wie von Herrn Echle beschrieben, war diese Reise!

    – Und ich war dabei!!! –

    Würde sofort wieder so eine 14 tägige Reise mit Kultur- und Badeurlaub in Ägypten buchen. Mein Traum Pyramiden und Meer.

  3. War wirklich eine sehr tolle Reise. Wunderschöne Landschaften wie von Herrn Echle beschrieben.
    Diese Reise würde ich sofort wieder machen.

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